Florent Amodio: Ich bin glücklich

 

Schafft er es oder schafft er es nicht? Mit diesen Gedanken verfolgen Eislauffans fast jeden Auftritt von Florent Amodio, der bereits zwei Jahre lang „nach sich selbst“ sucht und versucht, wieder an seine früheren Leistungen anzuknüpfen. Mal klappt

bei ihm das Kurzprogramm gut, aber die Kür leider nicht, mal läuft er das Kurzprogramm schlecht und in der Kür gibt es hingegen ein Durchbruch. Florent hat mehrmals die Trainer gewechselt, arbeitet nach eigenem Bekunden hart, sucht neue Lösungen und scheint nun wieder auf einem guten Weg zu sein. Bei den Weltmeisterschaften in China ist er unter den

besten Zehn gelandet. Über die vergangene Saison und seine schweren Zeiten spricht er in einem Interview während der Tournee der französischen Mannschaft. Vielleicht steht bereits im nächsten Jahr wieder der „alte“ gute Florent auf dem Eis – Florent, der Artist.

 

Q: Florent, Sie hatten eine sehr schwere Saison gehabt. Erzählen Sie darüber…

 

A: Ich kann sagen, dass es wirklich ein schweres Jahr war, ich habe entschieden mein Team zu verändern. Das war eine

richtige Entscheidung, so habe ich seit den französischen Meisterschaften angefangen, mit meiner neuen Trainerin Claude

Peri zu arbeiten. Ich bin sehr glücklich mit der Arbeit, die sie leistet. Wir haben bei diesen Meisterschaften unsere Arbeit begonnen und ich habe diesen Wettbewerb gewonnen. Ich bin unter den besten 10 bei den Europameisterschaften ge-

landet, klar ich wollte noch besser sein, aber ich bin auch in den Top-Ten bei Weltmeisterschaften und das verschafft mir

ein gutes Gefühl. Der Saison war sehr schwierig, deshalb waren diese Ergebnisse eine positive Überraschung für mich.

Anfangs war es sehr schwierig, nach vorne zu gehen, Fortschritte zu machen, mich zu verbessern, aber am Ende war es

richtig gut. Olympia war eine Enttäuschung für mich, aber jetzt bei Weltmeisterschaften bin ich unter den Top Ten gelandet

und zwei Programme besser als in der ganzen Saison gelaufen. Ich bin auf einem guten Weg und das ist gut für mein Selbstvertrauen.

 

Q: Sie arbeiten auch mit Fabian Bourzat zusammen. Aber in China war er nicht in der Kiss-and-Cry dabei. Arbeiten Sie

immer noch zusammen?

 

A: Ja, ich arbeite mit ihm. Aber er hatte bei Weltmeisterschaften viel mit den Paaren zu tun, deshalb haben wir entschieden, dass ich da nur mit einem Trainer sitze. Wir sind ein gutes Team.

 

Q: War es für Sie schwierig, sich in schwierigen Zeiten zu motivieren?

 

A: In der Tat, das war schwierig am Anfang der Saison. Ich arbeitete mit meinem alten Trainer (Bernard Glesser) zusammen und war alleine in der Eishalle, niemand trainierte mit mir und deshalb war es schwierig und ich habe die Entscheidung getroffen, den Ort zu wechseln.

 

Q: Jetzt trainieren Sie in Bercy, oder?

 

A: Ja, jetzt trainiere ich in Paris, in Bercy mit der französischen Mannschaft zusammen und so ist es einfacher sich zu motivieren. Wir arbeiten alle zusammen, haben die gleichen Ziele. In Bercy habe ich meine Motivation wieder gefunden.

Meine Trainerin ist sehr gut und ich bin glücklich mit unserer Zusammenarbeit.

 

Q: Wer hat Sie in dieser schweren Zeit unterstützt?

 

A: Ja, das ist schwierig im Eislaufen. Nachdem ich vor drei Jahren die Europameisterschaften gewonnen hatte, andere

Medaillen hatte, musste ich erfahren wie schwer es sein kann. Und zu diesen Zeiten stehen nicht so viele Menschen zu dir

als wenn Du erfolgreich bist. Klar es gibt Menschen, die mir Nachrichten geschrieben haben, mich unterstützt haben und

ich möchte mich an dieser Stelle bei meiner Familie und meinen Freunden bedanken, die mich ständig unterstützen, auch

bei meinem Team. Es ist leicht, jemanden zu unterstützen, der Weltmeister ist, zu schreien – „bravo! Bravo“. Wenn Du erfolgreich bist, wenn Du Medaillen gewinnst, es ist leicht. Zum Beispiel vor einem Jahr hatten Gabriella und Guillaume

nicht so viel Unterstützung wie jetzt, da sie Weltmeister sind. Ich möchte weiter mein Bestes geben, möchte beim Laufen

Spaß haben und werde weiter viel arbeiten. Und ich laufe auch für die Menschen, die mich unterstützen - das ist mir wichtig.

 

Q: Bald fahren Sie alle zu den Team-Weltmeisterschaft, was erwarten Sie?

 

A: Dasselbe wie bei Weltmeisterschaften, deshalb arbeiten wir hier alle zusammen. Das wird schwierig sein, auch nach dem

Flug – es werden wieder viele Emotionen da sein, viel Energie, aber ich möchte so gut laufen wie bei WM und möchte die

Saison gut beenden. Das wünsche ich auch der Mannschaft. Unsere französische Mannschaft hat große Ambitionen, wir

haben gute Läufer, gute Menschen, eine gute Atmosphäre innerhalb unseres Teams und jeder von uns möchte sein Bestes geben.

 

Q: Zurzeit nehmen Sie an der Tournee teil. Was bedeutet die Teilnahme an dieser Tournee für Sie?

 

A: Die größte Motivation für mich ist, dass unsere Mannschaft hier auf französisches Publikum trifft, deshalb machen wir das.

Ja, das ist kompliziert für uns – die Saison war sehr lang, innerhalb von einem Monat haben wir zwei Wettbewerbe. Deshalb müssen wir jetzt sehr vorsichtig sein, damit wir uns nicht verletzen. Aber das macht viel Spaß jeden Abend auf dem Eis zu stehen und unsere Emotionen mit dem Publikum zu teilen.

 

Q: Sie laufen unterschiedliche Programme bei der Tournee. Mal lustig, mal lyrisch, was mögen Sie selbst am liebsten?

 

A: Ich glaube, mein Kurzprogramm ist sehr gut, niemand hat von mir Emotionen dieser Art erwartet, ich mag es. Ich liebe Eislaufen, ich liebe unterschiedliche Emotionen, ich liebe das Publikum unterhalten, das macht mir Spaß, deshalb liebe ich

auch Eislaufen.

 

Q: Welche Idee steckt hinter der Nummer mit der Rose?

 

A: Das ist nicht zum ersten Mal, dass ich diese Nummer laufe, ich habe viel daran gearbeitet. Ich mag die Musik und ich

möchte damit sagen, dass ich glücklich bin. Ich bin glücklich meine Schlittschuhe zu tragen, bin glücklich auf dem Eis zu

stehen und bin glücklich, dass ich Eis laufe – das möchte ich damit mitteilen.

 

Q: Welche Ziele setzen Sie für die nächste Saison?

 

A: Auf jeden Fall möchte ich unter den Top 5 bei den Europameisterschaften sein und unter den besten 10 bei Weltmeisterschaften.

 

Q: Vielen Dank fürs Interview und viel Erfolg!


 

Text und Photos Alexandra Ilina