Interview Katharina Müller/Tim Dieck

Q: Wie seid ihr zum Eislaufen gekommen? Tim, du stammst aus einer "Eis-Familie". Wie ist das? Spürt man dann vielleicht einen gewissen Druck, die Familien-Tradition fortzusetzen? Wie sehr kommt es von dir selbst?

Tim: Dadurch dass ich aus einer Eislauffamilie stamme, ist es natürlich immer etwas anders als bei jemandem, dessen Eltern gar nichts mit Eislaufen zu tun haben. Druck verspüre ich nicht, weil meine Eltern mir den Freiraum lassen und ich bin auch schon länger soweit, dass ich das auch wirklich will. Ich weiß wo ich hin will und was ich machen will. Also ich habe schon meine eigenen Ziele. Meine Eltern versuchen mich soweit es geht zu unterstützen, das ist klar. Aber Druck verspüre ich nicht.

Katharina: Ich bin ganz unspektakulär dazu gekommen. Meine Eltern haben mich zum Ausprobieren damals in Bielefeld einfach mal so aufs Eis geschickt. Ich war so begeistert vom Training und es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin.

Q: Warum habt ihr euch von euren alten Partnern getrennt? Und wie seid ihr zusammen gekommen?

Tim: Die Trennung ging von meiner Partnerin (Florence Clarke) aus. Nach dem letzten Wettkampf in der letzten Saison hat sie gesagt, dass sie nicht mehr weiterlaufen möchte und dann hat mir mein Trainer ein paar Vorschläge gemacht. Der erste Vorschlag war Katharina und wir haben relativ schnell ein Probetraining gemacht. Da hat man gemerkt, dass es passt und dass viel übereinstimmt. Dann hatte ich noch ein anderes Probetraining, aber ich habe mich für Katharina entschieden, weil ich wusste, dass es der richtige Weg ist.

Katharina: Bei mir hat auch mein Partner (Justin Gerke) aufgehört, mehr aus beruflichen Gründen. Wegen seiner Ausbildung konnten wir nur einmal am Tag trainieren. Damals sind wir ja schon in der Meisterklasse gestartet und es hat dann leistungsmäßig nicht gereicht, so dass er auch ein bisschen demotiviert war und gesagt hat, ich will dir da nicht im Weg stehen und ich gebe dir sozusagen die Bahn frei. Er hat jetzt auch komplett mit dem Sport aufgehört.

Q: Was war schwer und was war leicht am Anfang als neues Paar?

Tim: Schwer ist, denke ich mal, immer am Anfang, wenn man einen neuen Partner hat, zueinander zu finden, also sich gut zu verstehen. Wir haben uns sofort gut verstanden. Das macht die Arbeit auf dem Eis viel leichter. Wenn man sich gut versteht, kommt man doppelt so schnell voran. Klar hat man immer wieder ein paar Unstimmigkeiten. Das kommt nun mal vor. Man arbeitet ja zusammen auf ein Ziel hin. Und wenn dann etwas den anderen stört, dann streitet man sich natürlich. Aber wir kriegen uns dann sehr schnell wieder ein, weil wir beide das gleiche Ziel vor Augen haben und da auch wirklich hinwollen.

Katharina: Erst einmal war es schwer, dass unerwartet, sage ich mal so, so viel von uns erwartet worden ist. Wir bekamen zwei (Junioren) Grand Prix und mussten alles zügig hinkriegen. Wir wollten niemanden enttäuschen und wir sind ja auch sehr ehrgeizig. Aber irgendwie haben wir es dann mit Leichtigkeit geschafft. Und einfach, wie Tim schon gesagt hat, dass wir uns verstanden haben und wirklich das gleiche Ziel haben und nicht irgendwie verschiedene Wege einschlagen wollen. Und deshalb glaube ich fällt uns diese Leistungssteigerung leicht.

Q:  Ihr habt euch sehr schnell sehr gut entwickelt.

Tim: Ja, ich denke am Anfang ist es immer leicht sich sehr schnell zu entwickeln. Hinterher werden die Schritte immer kleiner. Deswegen muss man auch immer härter arbeiten, das steht außer Frage. Aber am Anfang geht es relativ schnell und da ist man auch doppelt so motiviert.

Q: Erzählt ihr etwas über eure Programme, die Musik, wer hat die Choreo gemacht?

Tim: Die Musik haben wir selber gefunden und es wurde Mark Hanretty in England zusammengestellt. Das Kurzprogramm ist Samba Rhumba Samba. In der Kür laufen wir zu Burlesque. Uns kam die Idee durch den Film. Mir hat die Musik schon immer gefallen und wollte auch schon mal darauf laufen! Das hätte aber vorher nicht gepasst weil die Fähigkeiten noch nicht so ausgereift waren.

Q: Welche Ziele setzt ihr euch für diese Saison und für die Zukunft?

Katharina: In dieser Saison wollen wir auf alle Fälle in den Top 10 bei der JWM sein. Da streben wir hin und da wollen wir hin. Und unser gemeinsames Ziel für die weitere Zukunft ist definitiv Olympia 2018. Das wollen wir durchsetzen.

Tim: Da kann ich nur zustimmen. Für die JWM müssen wir noch viel arbeiten in den nächsten Monaten. Aber das Ziel Top 10 streben wir an und das probieren wir auch zu erreichen. Und Olympische Spiele sowieso!

Q: Was macht ihr außer Eislaufen? Welche Hobbies habt ihr?

Tim: Wenn noch Zeit bleibt ist eigentlich alles bei mir mit Sport verbunden. Ich bin noch Schüler und dann geht es aufs Eis. Am Wochenende gehe ich ins Fitnessstudio, aber das gehört eigentlich mit zum Training, Freunde treffen und was man halt noch so macht.

Katharina: Wenn ich tatsächlich mal Freizeit habe, dann nutze ich sie, um Freunde zu besuchen und gemeinsam etwas mit ihnen zu machen. Dadurch, dass ich jetzt auch zwischen Berlin und Dortmund viel herumreise, ist da wenig Zeit und deshalb ist mir das wichtig, um die Freundschaften aufrecht zu erhalten. Das ist hauptsächlich das, was ich in der Freizeit mache.

Q: Katharina, wie würdest du Tim charakterisieren?

Katharina: Sehr ehrgeizig, motiviert, perfektionistisch (lacht), auch manchmal temperamentvoll. Wir mögen uns!

Q: Tim, wie würdest du Katharina charakterisieren?

Tim: Ehrgeizig kann ich nur zurückgeben. Katharina weiß auf jeden Fall, was ihre Ziele sind und die möchte sie erreichen. So sollte das auch sein. Sie hat das mit dem Ehrgeiz ein bisschen besser raus als ich. Ich werde manchmal ein bisschen zu ehrgeizig und das ist dann manchmal nicht so gut. Aber dadurch, dass wir uns freundschaftlich sehr gut verstehen, kriegen wir das dann schnell wieder in den Griff.

Katharina: Wir sind fröhliche Menschen und wir lachen viel!

Q: Dann bedanke ich mich für das nette Gespräch und wünsche euch alles Gute.