Trophee Bompard in Paris
Mittwoch, 15. und Donnerstag 16. November
Ich bin mit dem Zug nach Paris gefahren, wie immer. Am Mittwoch war Training in der kleinen Sonia-Henie-Halle, die zu Bercy gehört. Es war allerdings noch nicht so viel los. Ich sah nur ein Tanzpaar (Hoffmann/Elek) auf dem Eis. Von den Einzelläufern waren mehr da, zum Beispiel Miki Ando, die russischen Herren, die Kanadier…
Am Donnerstag hatten wir Trainingstag in der Haupthalle. Nebenbei finde ich heraus, dass weder Zhang/Zhang noch Xiadong Ma hier starten werden. Sie waren noch nicht offiziell abgemeldet, aber eine Teamoffizielle sagt mir, dass Ma aufgehört habe und als Trainer arbeite und der Trainer des Paarlaufpaares Li/Xu erzählt mir, dass Zhang/Zhang gar nicht vorgehabt hätten hier zu starten. Zum Glück haben wir es also noch rechtzeitig erfahren, so dass diese Läufer nicht mehr mit ausgelost wurden. Ich habe mit Maria Petrova/Alexej Tichonov gesprochen, die zugaben, wegen der Show nicht viel trainiert zu haben.
Freitag, 17. November
Das Training begann um 7 Uhr morgens, aber ich war pünktlich da. Es kamen auch alle Läufer und waren recht fleißig. Die Herren hatten das Pech, als erste trainieren zu müssen. Ich erfuhr, dass John Baldwin sich einen Virus eingefangen habe und es ihm nicht so gut gehe. Später stellte sich heraus, dass er an Gürtelrose leidet. Das ist natürlich weniger schön. Liudmila Velikova, die Trainerin von Petrova/Tichonov und Obertas/Slavnov, sagte mir, dass Mascha und Alexej noch nicht einmal ihre Kür am Stück durchgelaufen seien. Julia und Sergej dagegen hätten seit anderthalb Wochen gut trainiert, davor allerdings weniger gut. Mal sehen. Der Wettkampf verlief dann ohne große Überraschungen. Yu-Na Kim hat wieder alle begeistert, aber auch Miki Ando und Joannie Rochette waren gut. Das Niveau bei den Herren war ebenfalls nicht schlecht, und im Eistanz sowieso. Nur bei den Paaren war es wieder ziemlich mau. Wir hatten ein paar Probleme mit unseren Pressekonferenzen. Anders als bei anderen Wettbewerben waren Auslosungs- und Pressekonferenzraum getrennt. Normalerweise machen wir einfach direkt nach der Auslosung die PK nach den Kurzprogrammen. Das ist am besten, denn dann kann keiner so leicht entwischen! Hier aber sollten wir die Läufer in den Pressekonferenzraum rüberbringen. Die Journalisten kamen aber sowieso zur Auslosung, auch weil sie es so gewohnt waren, und sprachen schon dort mit einigen Läufern. Bis ich dann Ilja Klimkin rübergebracht hatte, war kein Mensch mehr im Pressezentrum, es ging ja auch schon gleich mit dem Wettkampf weiter. Brian Joubert kam überhaupt nicht, obwohl er es versprochen hatte. Alban Preaubert erschien zwar brav, aber eben zu spät. Daher machten wir die drei restlichen Zwischen-PKs kurz entschlossen im Auslosungsraum. Das wiederum hatten dann einige wenige Journalisten nicht mitbekommen, aber ein paar waren immerhin da und stellten auch Fragen. Die Läufer sind übrigens verpflichtet, an diesen Pressekonferenzen teilzunehmen. Wer diese Regeln nicht einhält, muss mit Abzug von Preisgeld (mindestens 500 US Dollar) rechnen.
Samstag, 18. November
Der Samstag ist immer der Horrortag in Paris. Das Training beginnt um 7 Uhr, und der Wettkampf endet um Mitternacht herum. Die Eistänzer waren besonders müde. Sie mussten den OD gestern spät abends laufen und waren heute die ersten. Denkova/Staviski wirkten daher auch nicht ganz so frisch in der Kür, aber sie gewannen. Pechalat/Bourzat hatten eine Katastrophenkür, er war mal wieder völlig von der Rolle, stolperte und stürzte. Nach dem dritten Platz bei Skate America war Rang sieben hier in Paris natürlich bitter.
Im Paarlauf habe ich mich gefreut, dass Petrova/Tichonov trotz der wenigen Trainingszeit einigermaßen durchkamen, wenn ihnen auch die Kondition fehlte. John Baldwin ging es zum Glück wieder besser, aber sie patzten trotzdem wie meistens. Obertas/Slavnov hatten auch noch Fehler, aber insgesamt wirken sie glücklicher als in der letzten Saison und es besteht die Hoffnung, dass sie sich wieder berappeln.
Das Niveau bei den Herren war recht gut, sicher bisher am höchsten. Brian Joubert hielt endlich mal dem Druck stand und lief auch eine super Kür. Er war der erste Franzose (Herr), der diesen Wettbewerb gewinnen konnte! Alban Preaubert lief wieder eine fehlerfreie Kür. Und ein besonderes Highlight war für mich Sergej Dobrin, der einen der besten vierfachen Salchows (mit dreifach Toeloop) stand, die ich je im Wettbewerb gesehen habe! Er sprang dann noch gleich einen zweiten hinterher, der zwar ok aber nicht ganz so beeindruckend war.
Meine Favoritin bei den Damen war Yu-Na Kim. Dieses Mädchen ist ein Jahrhunderttalent (für Korea allemal). Aber auch Miki Ando war wieder ziemlich gut. Dagegen sieht es nicht so aus, als ob Weltmeisterin Kimmie Meissner das Finale erreichen würde. Joannie Rochette hatte einen Blackout in der ersten Hälfte der Kür, riss mehrere Sprünge auf.
Die Pressekonferenzen klappten diesmal recht problemlos, wir hatten die Läufer schnell da, bis auf Sergej Dobrin, auf den ich vor der Umkleidekabine wartete (er hatte versprochen, sich in zwei Minuten umzuziehen) und den ich ziemlich antreiben musste. Aber er wusste nicht, wo der PK-Raum war, und ich hatte Sorge, dass er mir ansonsten verloren geht. Brian Joubert und Alban Preaubert saßen schon in Kostüm und Schlittschuhen im Pressekonferenzraum, bis ich mit Sergej kam. Es war mir schon ein bisschen unangenehm, dass sie sich erst so beeilt hatten und dann auf uns warten mussten. Bei den Damen machte ich den Fehler nicht mehr, jemanden in die Umkleidekabine zu lassen!
Sonntag, 19. November
Heute war nur noch das Schaulaufen. Ich habe es mir backstage angeschaut. Marina Anissina und Gwendal Peizerat haben das Schaulaufen moderiert. Die arme Marina war sehr nervös. Ihr fehlt doch die Erfahrung in solchen Dingen, und dann kommt bei Nervosität der russische Akzent noch stärker durch.