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Cup of China in Nanjing 

Samstag, 11. November

Am Samstag fielen die restlichen drei Entscheidungen. Ich bin leider nicht früher zum Schreiben gekommen, aber ich berichte noch kurz, was los war.

Im Eistanzen gewannen Domnina/Schabalin knapp vor Belbin/Agosto. Es war völlig richtig so, sie waren wirklich besser. Chochlova/Novitskij freuten sich zu recht über den dritten Platz, und die Zaretskis, recht erholt, strahlten über Platz vier. Besonders gefielen mir auch die Franzosen Carron/Jost mit ihrem charakteristischen Edith Piaf-Medley. Grebenkina/ Azrojan dagegen waren doch gehandicapt. Ihr Bein schmerzte, dazu gab es noch einen Zusammenstoß im Training mit einem anderen Paar.

Bei den Herren hatten wir einen ungewöhnlichen Zwischenfall. Gerade lief der dritte Läufer, Jialiang Wu, als Preisrichter Nummer 10 (Richard Grainge/GBR) bewusstlos vom Stuhl kippte! Ich habe es zuerst nicht gesehen, und dann dachte ich im ersten Moment, es hätte den Videooperator erwischt, vielleicht sogar Michael! Aber Michael saß auf seinem Platz. Das chinesische TV ließ es sich nehmen, den armen Preisrichter zu filmen und das Bild auf die Videowand zu werfen. Der Preisrichter wurde schließlich ins Krankenhaus gebracht, und wir machten mit neun judges weiter. Da soll mal einer sagen, beim Eislaufen ist nichts los. Zum Glück konnte der Preisrichter nach ein paar Stunden aus dem Krankenhaus entlassen werden. Man stellte nichts Ernsthaftes fest. Meine sportlichen Highlights waren Alexander Uspenskij, der sich nach dem KP richtig anstrengte und ein personal best erzielte, Evan Lysacek, der eine gute Carmen-Kür lief (eigentlich kann ich Carmen nicht mehr sehen und hören, aber er macht es gut), Sergej Davydov, der seine erste GP-Medaille gewann. Die Damen dagegen waren ziemlich schwach, so dass es sich nicht lohnt, darüber was zu schreiben.

Am Sonntag hatten wir noch ein nettes Schaulaufen und das Bankett. Craig Buntin durfte die Abschlussrede der Sportler halten, erfuhr es aber erst ganz kurz vorher, so dass er sich nicht wirklich vorbereiten konnte. Aber er machte es kurz und witzig.

Die Abreise am Montag verlief für mich problemlos, aber einige andere, darunter Savchenko/Szolkowy, hatten Pech. Ihr Flug von Nanjing nach Beijing wurde gestrichen, und sie verpassten ihre Anschlüsse. Die Chemnitzer kamen erst am Dienstag morgen zu Hause an.

Freitag, 10. November

Michael hat sich heute zum Glück wieder erholt und konnte zum Dienst antreten. Dafür aber verloren wir im Herrenwettbewerb leider Chengjiang Li, der Probleme mit seinem Asthma hat. Er sagte, dass es keinen Sinn habe, am Wettkampf teilzunehmen. Schade für ihn. Zum Krankenlager gehören auch Roman und Alexandra Zaretski, die sich wie Michael den Magen verdorben haben. Yannick Ponsero ist ebenfalls betroffen. Ich war mit ihm und seiner Trainerin beim Arzt in der Halle.

Eistanz, OD

Yu/Wang: z.T. etwas langsam

Huang/Zhen: Das bessere chinesische Paar, bei ihnen wirkt alles ein wenig geschliffener

Akimova/Schakalov: Etwas plump. Die fetale Position in der Rotationshebung finde ich hässlich

Senft/Gislason: Ganz ok, etwas hakelig in den Schritten, und dann fällt sie noch ganz am Schluss nach der Rotationshebung

Chochlova/Novitskij: Super! Sie haben mir sehr gut gefallen, gute Elemente und viel Schwung. Personal Best!

Girard/Yaeger: Sie wirkten nach dem flotten Vortrag der Russen schwerfällig. Die Choreographie war interessant, sie stellten anscheinend einen Streit dar, und am Anfang verpasst sie ihm eine Ohrfeige (nur pantomimisch, natürlich!)

Carron/Jost: Das Programm war etwas abgehackt, aber sie hatten auch gute Elemente.

Grebenkina/Azrojan: ich fand es ganz gut, aber sein grüner Schal auf dem schwarzen Kostüm sah dämlich auch und das Kostüm machte ihn dick.

Belbin/Agosto: Sie machten keinen Fehler, aber alles wirkte ein wenig mühsam, vor allem die Pirouette.

Domina/Schabalin: Ich fand es klasse, taktgenau, gute Elemente, mit Feuer. Für mich waren sie die besten.

Zaretski/Zaretski: ordentliche Leistung und Freude über den bislang vierten Platz bei ihnen.

Kurzinterviews

Belbin/Agosto

Ben: Es fühlte sich gut an heute. Das ist eigentlich das zweite Mal, dass wir diesen Tanz im Wettbewerb laufen, denn wir waren bei der Campells Veranstaltung dabei, das war so eine Art Wettkampf für uns, und es war gut, das Selbstvertrauen daraus mitzunehmen. Wir haben viel daran gearbeitet und wir fühlen uns gut im Charakter dieses Tanzes.

Tanith: Ich war ziemlich stolz auf uns. Zu diesem Zeitpunkt in der Saison gibt es eine Menge Dinge, an die man denkt. Ich denke, dass dieser Tanz dadurch gewachsen ist, dass wir ihn in Shows gezeigt haben. Mir gefällt der Tanz immer besser. Ich glaube, der Tango ist eine gute Herausforderung für uns mit der Reife, die er verlangt. Ich laufe sehr gern so nah mit Ben und fühle mich mit ihm verbunden, und ich glaube, wir haben sehr großes Potenzial mit diesem Tanz.

Frage: Der Wettkampf hier ist sehr spannend, das russische Paar und ihr seid sehr eng zusammen. Was denkt ihr darüber?

Ben: Das ist toll, das macht den Wettkampf aufregend. Ich denke, es ist gut, wenn alles im Sport passieren kann. Wer besser läuft, der gewinnt. So sollte es sein.

Tanith: Es ist ganz natürlich, dass wir zwei (Paare) Kopf an Kopf liegen. Wir waren zusammen Junioren, sind zusammen zu den Senioren aufgestiegen, es macht Sinn, dass wir unser Potenzial um die gleiche Zeit herum erreichen, und ich erwarte jetzt, dass sie die nächsten vier Jahre unsere Rivalen sind, zusammen vielen anderen Paaren natürlich. Wir haben sie immer für großartige Läufer und Konkurrenten gehalten. Wir sind bereit, die Kür morgen anzugehen und wieder anzutreten.

Domnina/Schabalin

Maxim: Wir haben widersprüchliche Gefühle. Man kann sich ja selbst nicht objektiv beurteilen. Nach unserem Gefühl war das nicht die beste Leistung. Sie war emotional, aber von der technischen Seite her gab es viele Unsauberkeiten. Aber die Leute um uns herum, einschließlich unserer Trainer sagten, dass es eine hervorragende Leistung war und dass sie uns schon lange nicht mehr mit so vielen Emotionen haben laufen sehen. Daher werden wir ihnen glauben. Ich denke, dass wir für diesen Zeitpunkt der Saison gut vorbereitet sind.

Frage: Ich stimme den Trainern zu, ihr wart heute sehr gut. Ihr habt nur knapp gegen die Amerikaner verloren.

Oksana: Das macht nichts.

Maxim: Allein, dass wir mit ihnen mithalten, ist ein großer Schritt nach vorn für uns.

Oskana: Sie sind schon ein solides Paar, waren bei den Olympischen Spielen unter den Top drei, und dass wir mit ihnen kämpfen, ist ein Schritt nach vorn für uns.

Maxim: Wir haben in dieser Saison einen Schritt zum erwachsenen Eislaufen gemacht, auch wenn ich noch nicht sagen möchte, dass wir den Sprung ganz geschafft haben, aber wir bewegen uns von dem Punkt weg, der die Junioren von den Senioren unterscheidet.

Chochlova/Novickij

Frage: Herzlichen Glückwunsch, ihr habt eine neue persönliche Bestleistung aufgestellt. War das wirklich euer bester OD?

Sergej: Für diesen neuen Tango war es heute wohl tatsächlich ein der besten Leistungen. Aber wir werden noch weiter arbeiten und alles verbessern.

Frage: An was wollt ihr besonders arbeiten?

Jana: Wie immer an den Schrittfolgen natürlich, obwohl wir uns selbst darüber gewundert haben, dass man uns Niveau drei für beide Schrittfolgen gegeben hat. Das ist sehr angenehm, denn normalerweise bekommt man in den ersten Wettbewerben nur einen level zwei, weil die Elemente nicht ausgearbeitet sind. Wir arbeiten auf ein Niveau drei und vier hin, aber weil die Elemente noch nicht bis zum Ende ausgearbeitet sind (bekommt man das nicht). Auch die Hebungen bekamen alle einen Level vier, das ist auch schön.

Frage: Wie geht ihr in die Kür morgen?

Jana: Wir werden uns schon von heute an mental darauf einstellen.

Sergej: Morgen werden wir alles zeigen, was wir können und wollen einen genauso guten Eindruck wie heute hinterlassen.

Jana: Natürlich ist das Programm noch nicht so sehr eingelaufen, weil das doch der erste Wettbewerb ist, aber wir bemühen uns trotzdem darum, unser bestes zu zeigen.

Herren, KP

Das war leider wieder kein Highlight! Sergej Davydov war fehlerfrei, und es war schön, dass er für seine gute Leistung mit dem ersten Platz belohnt wurde. Ryo Shibata lief auch ohne Patzer, aber nur mit 2A und 3F-2T. Mir tat es natürlich besonders um Alexander Uspenskij leid, der beim Axel anscheinend Angst vor eigenen Courage bekam und stürzte, der Sprung war nicht einmal rum, was richtig viele Punkte kostete.

Paare, Kür

Hier war das Niveau schon erheblich besser als bei den vorangegangenen Grand Prix-Wettbewerben. Zwar leisteten sich auch die Spitzenpaare jeweils ein, zwei Fehler, aber immerhin stürzten sie nicht. Shen/Zhao haben mir gut gefallen, auch wenn ihre Kür nicht ganz so die Faszination der früheren Jahre erreicht hat, es war ein wenig zu sehr das gleiche. Savchenko/Szolkowy verpassten den zweiten Platz nur denkbar knapp. Aber auf die Leistung lässt sich aufbauen, und Bronze war ein guter Einstieg in die Saison.


Donnerstag, 9. November

Heute war schon gleich wieder viel los. Unser Kollege Michael hat sich eine Lebensmittelvergiftung zugezogen und landete im Krankenhaus am Tropf. Dann blieb auch noch ein Bus auf dem Weg in die Halle mit einer Reifenpanne liegen. Abends wurde es sehr spät, und im Hotel funktionierte das Internet nicht richtig.

Eistanz, Pflichttanz

Es gab eine Überraschung! Domnina/Schabalin schlugen Belbin/Agosto, wenn auch nur hauchdünn. Die Punktdifferenz hätte allerdings ruhig größer sein können, denn ich fand die Russen deutlich besser.

Kurzinterviews

Oskana Domnina: Wir sind heute gut gelaufen und damit sehr zufrieden. Zum Platz kann ich gar nichts sagen, denn das war nur der Pflichttanz und wir haben alles andere noch vor uns.

Maxim Schabalin: Wir waren gut vorbereitet und haben gezeigt, was wir im Moment können.

Tanith Belbin: Wir mussten einfach wieder auf das Eis zurückkommen. Wir hatten keinerlei Erwartungen außer den ersten Wettkampf zu starten. Wir sind froh, dass wir das nun getan haben und freuen uns auf die Zukunft. Wir nutzen diesen Wettbewerb, um darauf für die Saison aufzubauen.

Benjamin Agosto: Nach der langen Tour ist es nett, wieder zurückzukommen und auf Wettkampfmodus umzuschalten. Die Rhumba ist ein ganz guter Tanz für uns, und ich hatte das Gefühl, dass wir unsere Sache ordentlich gemacht haben. Wir freuen uns auf den Originaltanz und denken, dass er noch besser wird.


Mittwoch, 8. November

Das Training lief heute von 7.30 bis 16.30 Uhr. Die Halle „Olympisches Zentrum“ ist auch weit weg vom Stadtzentrum. Sie wirkt nagelneu.

Die Eistänzer trainieren zuerst. Vazgen Azrojan ist alleine auf dem Eis. Er berichtet mir, dass Anastasia sich mit der eigenen Kufe ins Bein gehackt habe. Die Wunde sei tief und mit drei Stichen genäht worden. Aber Anastasia wolle unbedingt laufen.

In der ersten Herrengruppe ist zu meiner Überraschung Emanuel Sandhu auf dem Eis! Ich habe ihn natürlich nach dem Training gefragt, wie er denn angekommen ist. Er wurde auf den Flug nach Schanghai umgebucht und musste von dort aus mit dem Bus zum Bahnhof und dann mit dem Zug fünf Stunden nach Nanjing fahren. Um vier Uhr in der Früh kam er endlich an! Alle Achtung, ohne ein Wort Chinesisch zu können, ist es nicht so leicht, sich durchzuschlagen. Elena Sokolova und Alexander Uspenskij sind jeweils ohne Trainer da. Die russischen Eistanztrainer erzählen mir, dass Natalja Dubinskaja (Saschas Trainerin) sich um beide kümmern sollte, aber dann zwei Stunden vor Abflug ins Krankenhaus mit Bluthochdruck ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Jetzt haben die Eistanz-Coaches und Vladimir Kotin (Trainer von Sergej Davydov) die Betreuung übernommen und erhalten telefonische Anweisungen von Natalja Petrovna (Dubinskaja). Bei der Auslosung am Abend spreche ich auch mit Lena und Sascha. Lena hatte eine Verletzung am Fuß und trainiert erst seit zwei Wochen wieder voll. Sascha sagt, dass es nicht so schlimm sei, dass die Trainerin nicht kommen könne. Die Hauptsache, es sei jemand da, der ihm sage, wann er rauskommen soll. „Auf dem Eis bin ich sowieso alleine“, meinte er.

Aljona Savchenko/Robin Szolkowy und Ingo Steuer sind auch da. Ingo wurde erst akkreditiert, nachdem das Landgericht München der einstweiligen Verfügung seines Paares stattgegeben hatte. Allerdings fehlte zunächst die neue Meldeliste der DEU, und Ingo musste zwei Stunden rumtelefonieren und warten, bis er die Karte hatte und dann sein Paar beim Training betreuen konnte. Die chinesischen Paare Pang/Tong und Shen/Zhao wirkten sehr fit im Training. Die Paarlaufkonkurrenz verspricht also besser zu werden als die beiden vorangegangenen.

Montag, 6. und Dienstag, 7. November

Am Montag vormittag brachen wir von Victoria auf. Es wurde stressig, weil die Flüge von Victoria wegen schlechten Wetters alle mindestens eine Stunde Verspätung hatten. Wir erreichten den Anschluss in Vancouver nur, weil der Flieger wartete. Wir waren sieben Leute, die mit dem Flug um 11 Uhr von Skate Canada in Victoria über Vancouver zum Cup of China wollten, und in der Maschine zuvor waren auch einige. Aber es ging alles gut, und sogar das Gepäck kam an. Mit uns reisten auch Valerie Marcoux/Craig Buntin. Yannick Ponsero war schon am Sonntag aufgebrochen. Emanuel Sandhu war auf unseren Flug gebucht, aber er verpasste ihn! In Peking trafen wir das chinesische Team wieder, das mit der Air China eine halbe Stunde nach uns losgeflogen war. Außerdem stießen Scott Smith und sein Trainer Mark Mitchell zu uns. Wir waren um Mitternacht im Hotel. Diesmal gibt es zwei Hotels, eines für die Preisrichter und andere Offizielle und eines für die Teams. Die Hotels sind außerhalb der Stadt an einem See gelegen und sehr gut, aber halt leider etwas abseits. Noch bei der Akkreditierung erzählt Ding Ding Liu vom chinesischen OK, dass sich Anastasia Grebenkina im Training verletzt habe und ein Start fraglich sei.

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