Vier Kontinente Meisterschaft in Colorado Springs, 3. bis 11. Februar
Die Vier Kontinente Meisterschaft führte uns wie im Vorjahr nach Colorado Springs, und wir hatten herrliches Wetter. Tagsüber wurde es bei strahlendem Sonnenschein bereits frühlingshaft warm, während auf den Bergen noch der Schnee lag. Die Landschaft um Colorado Springs ist phantastisch. Diesmal hatte ich leider keine Zeit für Ausflüge, aber ich war ja schon öfter hier und habe die Felsformationen im „Garden of the Gods“, den Berg Pikes Peak und andere Sehenswürdigkeiten besucht.
Wir wohnten wieder in der Cheyenne Mountain Lodge, einem weitläufigen Hotel das aus einzelnen Häuschen besteht und eine sehr gute Küche hat. Die Anreise ist zwar weit, aber eigentlich könnte man die Meisterschaft jedes Jahr hier abhalten! Die Sportler würden dem nicht so ohne weiteres zustimmen, denn die meisten litten unter der dünnen Höhenluft.
Bei den 4Conts gibt es immer wieder neue interessante Gesichter zu entdecken. Diesmal sah ich wieder ein paar Exoten, zum Beispiel:
Ami Parekh (Indien). Sie ist genau genommen Amerikanerin indischer Abstammung, hat aber immerhin ein Jahr in Indien gelebt und spricht Hindu. Ami beherrscht immerhin dreifach Toeloop und Salchow und also mehr als die anderen Inderinnen, die wir bisher im JGP gesehen haben.
Stephanie Gardner (Brasilien). Ihre Mutter ist eine deutschstämmige Brasilianerin, daher spricht Stephanie sogar gut Deutsch. Da sie bisher noch nicht alle Doppelsprünge sicher beherrscht, wurde sie nur 26.
Mathieu Wilson (Neuseeland). Ein neuer Kiwi! Witzig, daß die Neuseeländer drei Herren, aber keine einzige Dame am Start hatten. Ist Eiskunstlauf bei den Kiwis reiner Männersport?
Colorado Springs hat ja eine große Eiskunstlaufgemeinde, hier trainieren viele auch international startende Läufer, und natürlich kamen sie zum Zuschauen. Unter anderem traf ich den Eistänzer Todd Gilles, dessen Partnerschaft mit Trina Pratt noch vor der US-Meisterschaft in die Brüche ging, weil sie keine rechte Lust mehr hatte. Todd aber will weitermachen und erzählte mir, daß er einige Probetrainings habe. Mir ist auch Ryan Jahnke begegnet, den ich immer sehr gerne mochte, weil er mich vom Laufstil und vom Äußeren her an Alexej Urmanov erinnerte. Ryan hat seine Karriere inzwischen beendet. Er studiert und arbeitet als Trainer. Wir tauschten die Neuigkeiten aus, auf Deutsch natürlich, denn Ryan hat Deutsch gelernt, und da kann er gleich mit mir üben.
Auf der Trainerliste stand auch ein gewisser Oula Jääskelainen. Sicher erinnern sich nicht alle an ihn. Er war ein finnischer Läufer Anfang der 90er Jahre, später dann trat er viele Jahre lang in einer Eisshow in England auf. Meine Freundin Petra kannte ihn gut und fragte mich noch bei der EM in Warschau, was wohl aus ihm geworden sei. Tja, Oula ist nun Trainer in Südafrika! Er kannte mich natürlich nicht, denn ich hatte damals keinen persönlichen Kontakt zu ihm, aber als ich Petra erwähnte, wußte er gleich Bescheid. Oula hat seine Showkarriere beendet und ein Angebot des südafrikanischen Verbandes angenommen. Es ist schön, auch diese „alten Bekannten“ wieder zu sehen, jetzt eben auf der anderen Seite der Bande. Oula betreute die Geschwister Abigail und Justin Pietersen, die im Einzellauf starten. Justin war leider krank, aber er quälte sich durch seine Kür und wurde nicht einmal letzter.
Letzter wurde leider Adrian Alvarado aus Mexico. Ich hatte Adrian im vergangenen Frühjahr in Moskau gesehen, als ich Olga Markova in ihrer Eishalle besucht habe. Er nahm Unterricht bei Olga. Er hat mich damals nicht bemerkt, aber ich sprach ihn jetzt einfach an und sagte ihm, daß ich ihn ja auch in Moskau gesehen habe. Adrian antwortete gleich – auf Russisch! Also haben wir auf Russisch geplaudert, und eine Freundin, die neben mir saß, fragte ganz verwundert, in welcher Sprache ich mich mit dem Mexikaner unterhalten würde. Noch verwirrender wurde es, als ich ein anderes Mal mit Adrian in meiner mixed zone sprach und sich unversehens der Australier Dean Timmins in unser Gespräch einmischte, ebenfalls auf Russisch. Also, ein Mexikaner, ein Australier und eine Deutsche treffen sich in den USA und unterhalten sich auf Russisch. ;-). Adrian lief noch ein ganz ordentliches KP, aber in der Kür patzte er zu oft. Er hofft, daß er bald wieder zum Training nach Moskau gehen kann.
Wie bei der EM, so gab es leider auch bei den 4Conts einen spektakulären Unfall, als Bryce Davison seine Partnerin Jessica Dubé bei der parallelen Pirouette mit seiner Kufe im Gesicht traf. Jessica fiel um wie vom Blitz getroffen, und ich dachte mir gleich, daß er sie erwischt haben müsse. Zum Glück sah es schlimmer aus als es war, am Ende hatte sie „nur“ eine lange Schnittwunde auf der linken Wange und Nase, die ein plastischer Chirurg operierte. Die Zusammenarbeit mit der ISU-Ärztin Jane Moran lief hervorragend. Wir erhielten eine offizielle Stellungnahme für die Presse und sie trat sogar selbst vor die Kamera. Zuerst hatten wir allerdings ein Problem mit den Amerikanern, die auf Grund der Gesetzeslage keine Informationen herausgeben wollten. Obwohl einige Leute schon sehr schnell wußten, daß nichts allzu Schlimmes passiert war, gaben sie zunächst keine Informationen weiter, und das war natürlich doof, auch für das Publikum, das den schrecklichen Unfall gesehen hatte und sich fragte, wie es dem Mädchen ging. Jessica war am nächsten Tag schon wieder zum Zuschauen in der Halle. Ihre Trainerin Annie Barabe berichtete auf einer Pressekonferenz, daß Jessicas erste drei Fragen nach der Narkose gewesen seien: „Wie ist Cynthia (Phaneuf) gelaufen?“ „Wer hat im Paarlauf gewonnen?“ und „Wo wären wir gelandet, wenn wir die Kür beendet hätten?“
Meine sportlichen Highlights der Woche waren:
Die tolle Leistung, vor allem in der Kür, von Xue Shen/Hongbo Zhao, die neue Kür von Tanith Belbin/Benjamin Agosto, die mir sehr gut gefiel, das Kurzprogramm von Jeremy Abbott und die Aufholjagd von Kimmie Meissner.
Die Meisterschaft endete mit einem sehr schönen Bankett zum Thema „Casino“. Jeder Teilnehmer erhielt 2000 Dollar Spielgeld und durfte nach Herzenslust pokern, Black Jack spielen, am Würfeltisch zocken oder sein Glück beim Roulette versuchen. Ich habe meinen Einsatz nicht vermehrt, aber einige andere stellten sich sehr geschickt an!