Interview Domnina/Schabalin
Cup of Russia 2006
Q: Ihr habt in dieser Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht. Was hat sich für euch dadurch geändert, dass ihr nun die Nummer eins im russischen Eistanz seid?
O: Ich weiß nicht, eigentlich nichts, vielleicht haben wir eine größere Motivation zu arbeiten. Eigentlich haben wir jetzt wie immer gearbeitet.
Q: Mir scheint, es ist trotzdem ein wenig anders geworden.
O: Na ja, wir sind älter geworden, weiser, erwachsener... das Leben fliegt vorbei. Irgendwann muss man von den Junioren weg und diese Stufe überspringen. Gott sei dank ist das jetzt passiert, und wir sind darüber sehr froh und wir müssen weiter vorangehen.
Q: Und Maxim?
M: Maxim hat auch endlich diese Stufe übersprungen (lacht).
O: Hat sich was verändert?
M: Es hat sich absolut alles verändert, wir sehen die Welt mit anderen Augen. Wir haben einen neuen Blick, alles hat neue Farben, neue Gefühle, sie sind feiner...
O: Mach keine Witze!
M: Ich meine es ernst. Das Verhältnis zu allem hat sich total verändert. Ich schaue dich an und erkenne dich gar nicht. Du bist auch ein anderer Mensch...
Q: Stimmt, sie hat andere Haare.
O: Ja, ich bin anders (lacht).
M: Daher ist überall Veränderung, nicht nur im Eiskunstlauf.
Q: Mir scheint, dass es euch einen Schubs nach vorn gegeben hat, dass ihr nun die Nummer eins seid.
O: Vielleicht spüren wir irgendwo im Unterbewusstsein, dass wir jetzt die ersten sind und die besten des Landes. Im Unterbewusstsein ist das da, aber eigentlich für mich...
M: Unsere Trainer haben uns darauf vorbereitet, uns dorthin geführt. Wir wussten, dass wir in dieser Saison etwas für uns Neues zeigen mussten und wir verstanden, weil Navka/Kostomarov aufgehört haben, brauchen wir nicht einfach nur einen Fortschritt, sondern einen Qualitätssprung nach vorn. Ich denke, das haben wir getan.
Q: Im Originaltanz habt ihr euch für einen Argentinischen Tango entschieden.
M: Der Argentinische Tango ist der Lieblingstanz unseres Choreographen Sergej Petuchov, es ist verständlich, dass er 183 Prozent dort hineingelegt hat.
O: Wir haben in Wahrheit sehr viele Kassetten angeschaut. Davor hatten wir schon Erfahrung mit dem Tango, weil wir vor zwei Jahren einen Tango in der Kür hatten. Da wir ihn mit Sergej Georgevitch zusammengestellt hatten, wussten wir im Prinzip schon in welche Richtung er beim Tango arbeiten wird und es ging recht leicht, oder?
M: Na ja nicht leicht...
O: Aber doch leichter als beim ersten Mal, als wir gerade erst angefangen hatten, das alles zu lernen.
M: Natürlich.
Q: Jetzt seid ihr ja schon älter und erwachsener, und gerade der Tango fordert das.
O: Ja, das stimmt, der Tango verlangt das.
Q: Wer hatte die Idee für die „Polovetzer Tänze“ in der Kür?
M: Wir haben die Musik alle zusammen ausgesucht, aber die Idee kam von unserem Trainer, unserem Seelsorger und geistigem Führer. Das ganze Gespräch fing mit einem Hinweis um die Ecke an, und um uns zu locken, fing er mit den Kostümen an. Er sagte, Maxim, stell dir vor, du läufst im Pelz! Das gefiel mir gleich.
O: Als wir nur über die Kostüme nachdachten, war die Idee von Anfang an für uns interessant. Als wir mit dem Zusammenstellen der Kür begannen klappte es gleich, und der Tanz sah sogar schon gut aus, als er noch gar nicht eingelaufen war. Wenn wir ihn gut laufen, dann ist er überhaupt super.
M: Das ist so ein olympisches Programm geworden.
O: Ja, und solche kommen nur selten vor, und wir haben ihn in diesem ersten Jahr...
M: Vielleicht ist es für uns sogar wichtiger, in diesem Jahr so ein Programm zu haben, das mächtiger und interessanter ist als das, was wir im olympischen Jahr hatten, denn da waren wir sowieso nur das zweite Paar und hatten keine besonderen Chancen, aber jetzt können wir schon mit etwas rechnen.
O: In diesem Jahr hat alles mit den Programmen zu 100 Prozent geklappt.
Q: Sprechen wir noch einmal über das Kostüm mit dem Pelz. Es gibt unterschiedliche Reaktionen. Manche Leute finden es ganz toll, andere aber sind schockiert.
O: Worüber?
Q: Über den Pelz. Ein Kollege von mir hat zum Beispiel geschrieben, dass Maxim wie ein wilder Bär aussieht.
M: Das ist doch gut. Ich soll ja wild aussehen.
Q: Welche Reaktionen über das Kostüm habt ihr gehört?
O: Wir haben bisher nur positive Reaktionen über das Kostüm gehört. Aber vielleicht sagt man es uns nur nicht.
M: Alle, mit denen wir gesprochen haben, waren begeistert.
O: Die Hauptsache ist, dass es uns gefällt und unsere Laune hebt.
M: Alle finden es interessant, niemandem ist es gleichgültig. Wenn es interessant ist, ist es auf jeden Fall besser, als wenn es langweilig ist.
O: Alles gehört zusammen. Der Aufbau, die Kostüme, die Ausführung, das ist kein unwichtiger Teil.
Q: Die Rolle des wilden Khans scheint dir gut zu passen.
M: Ja! Sie passt sehr gut. Da erwachen meine Vorfahren in mir. Manchmal mache ich mir einen Spaß mit Oksana, aber nur selten und brülle herum.
Q: Und was ist deine Rolle in diesem Tanz?
O: Ich bin eine Konkubine.
M: Ich habe sie geraubt, als meine zehnte jüngste Frau, aber wenn ich sie so betrachte, stelle ich fest, wie schön sie ist, und sie wird meine Lieblingsfrau. Aber sie betrachtet mich dennoch mit Heimweh, denkt an ihre Verwandten aus ihrem vergangenen Leben. Ich versuche, sie davon wegzubekommen, aber es gelingt mir nicht ganz, sie leidet trotzdem.
O: Ich bin eine hübsche, zarte Konkubine, die bei Max in Sklaverei lebt.
M: In meinem goldenen Käfig.
O: Aber ich werde verwöhnt. Er spart nicht an Geld für mein Kleid, schließlich tanze ich für ihn (lacht).
Q: Dein Kostüm ist auch sehr schön.
O: Ja, aber leider ist es gegen die Regeln, in Hosen zu laufen. Viele haben gesagt, dass es in Hosen (wie im Trainingskostüm) viel besser ist und vom Stil her besser passt, aber was sollen wir machen.
Q: Ihr habt in China einen großen, wichtigen Sieg gefeiert.
O: Wir hatten keine Zeit, viel darüber nachzudenken und uns zu entspannen. Als wir nach Hause kamen, haben wir gleich wieder mit dem Training angefangen. Aber wir bleiben bei diesem Ziel nicht stehen. Es war eine Etappe, an die wir uns erinnern werden, aber wir gehen weiter nach vorn, streben nach vorn zum Gipfel.
M: Das war kein Sieg, der das Leben verändert wie eine olympische Goldmedaille. Daher kamen wir nach Hause, nahmen die Glückwünsche entgegen und arbeiteten weiter. Es war ein gelungener Wettbewerb für uns.
Q: Wie ist euer persönliches Verhältnis zueinander?
M: Sieht man das nicht? (lacht) Es ist ausgezeichnet, besser könnte es nicht sein. Natürlich gibt es manchmal Meinungsverschiedenheiten, aber das ist normal.
Q: Über was streitet ihr?
O: Es kommt mal vor, meistens beim Training, aber sonst...
M: Wir laufen ja nicht das erste Jahr zusammen, daher haben wir ein Modell für unser Verhältnis gefunden, das uns entgegenkommt. Wir haben eine sehr gute Beziehung, und wenn Streit aufkommt, dann gehen wir bis zu einem bestimmten Punkt, und wenn wir spüren, dass wir streiten, gehen wir auseinander in verschiedene Richtungen, das heißt, wir vertiefen nicht den Konflikt.
O: So war es von Anfang an. Maxim und ich hatten nie größere Konflikte. Wir haben immer eine gemeinsame Sprache gefunden, und wenn irgendwas war, dann haben wir uns immer sehr schnell wieder vertragen, und jetzt ist es genau.
M: Jeder weiß, wenn wir kein gemeinschaftliches Ziel haben, kommen wir nirgendwo hin.
O: Es ist schwer zu trainieren, zu laufen. Eistanz ist so ein Sport, bei dem man manchmal Sympathie, manchmal Hass und Liebe ausdrücken muss. Wenn das Verhältnis schlecht ist, kann man Hass ausdrücken, aber Sympathie, Liebe und Freundschaft drückst du schon nicht mehr aus.
M: Das wäre Falschheit.
Q: Wie würdest du Maxim in drei Worten beschreiben?
O: Gut. Aufmerksam. (überlegt, lacht) Ich weiß nicht, was noch. Überzeugt.
M: Drei Adjektive?
Q: Nein, du kannst auch andere Worte benutzen.
M: Nur drei?
Q: Ja.
O: Sag, soviel dir einfällt! (Lacht)
M: Ich habe natürlich mehr Worte. Ich versuche, drei zu finden. Strahlend. Ungewöhnlich, aber das ist fast das gleiche. Mhm. Ich möchte nichts Banales sagen. (überlegt). Ihr könnt ruhig weiterreden, und ich überlege.
Q: Was ist das wichtigste Ziel dieser Saison? O: Das wichtigste Ziel ist, in dieser Saison zu zeigen, dass wir es wert sind, das erste Paar in Russland und überhaupt für die Zukunft sind. Wir wollen uns als erstes Paar präsentieren. Die wichtigsten Wettbewerbe stehen noch bevor, wir werden nach dem Podium streben.
Q: Maxim?
M: Ich habe alle Worte vergessen.
O: Dann sag doch einfach in mehreren Worten, was du sagen möchtest.
M: Sie ist strahlend, nicht glatt, sondern auch mit Widerständen und gleichzeitig weise, tut nichts einfach so unüberlegt.
Q: Herzlichen Dank!