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Interview Peter Liebers

Mixed Zone Europameisterschaft in Zagreb nach der Kür, Januar 2008 

Peter: Ich freu mich sensationell super, dass ich das jetzt so toll hingekriegt habe. Ich hatte es heute schon im Gefühl gehabt, ich habe mich sehr gut gefühlt vor der Kür. Ich war ein bisschen mehr aufgeregt als beim Kurzprogramm, aber ich habe mich wirklich sehr gut gefühlt. Ich habe schon im Einlaufen gemerkt, dass es gut geht. Die Situation als Siebter zu laufen war sehr schwer, aber ich konnte mich nochmal komplett neu erwärmen und es hat alles gepasst, es war super. (Bei der Kür starteten sieben Läufer in der ersten Gruppe, weil der für die Kür nicht qualifizierte Vertreter des Gastlandes als 25. Läufer zugelassen war).

Q: Sie wollten, wie Sie nach dem Kurzprogramm gesagt haben, volles Risiko gehen, das haben Sie auch gemacht und sind den vierfachen Toeloop gesprungen. Die Hand war auf dem Eis, ich hatte den Eindruck, es war gar nicht nötig. Stimmt das?

Peter: Ja, es war nicht ganz nötig gewesen, das stimmt allerdings. Das passiert mir ab und zu mal, das ist noch ein kleines Manko von mir, dass ich gerne lieber einmal mehr die Hand aufs Eis nehme anstatt nicht, daran muss ich noch arbeiten, aber auf jeden Fall war es (der 4T) mal da. Ich bin nicht gefallen, auf jeden Fall gesprungen und habe gezeigt, dass ich ihn auch im Wettkampf kann.

Q: Stefan Lindemann wird sich Ihre Kür sicher noch mal sehr interessiert ansehen. Es gibt dann im nächsten Jahr wahrscheinlich nur einen Startplatz, und um den wird ganz schön gekämpft werden, oder?

Peter: Na ja, das kommt drauf an. Die Punkte sind nah beisammen, es ist sehr knapp, es ist gut möglich, dass Clemens (Brummer) auch ein super Programm läuft und wir auf jeden Fall einen zwölften (Platz) bekommen, und wenn wir einen zwölften haben, dann haben wir wieder zwei Startplätze, weil der Zweite sowieso mit 16 Punkten eingeht, und damit sind die gesamt 28 Punkte da und der zweite Startplatz ist auch gesichert. (Peter hatte recht, am Ende sicherten er und Clemens auf den Plätzen 13 und 14 zwei Startplätze)

Q: Dann habe ich vielleicht zuviel spekuliert. Es läuft, wie es aussieht, demnächst auf einen Zweikampf zwischen Ihnen und Stefan Lindemann hinaus. Sie sind ja beide in der gleichen Trainingsgruppe, werden von derselben Trainerin (Viola Striegler) trainiert, wie funktioniert das?

Peter: Na ja, es funktioniert genauso wie mit Clemens und meinem Bruder, wir arbeiten zusammen. Wir putschen uns gegenseitig hoch, sind im Training und natürlich im Wettkampf Konkurrenten und jeder versucht, den anderen auszustechen. Obwohl ich nicht denke, dass es unbedingt nur ein Zweikampf zwischen Stefan und mir wird, sondern dass da auch Clemens, Philipp Tischendorf, der jetzt auch verletzt ist, und auch mein Bruder eine Rolle spielen. Das wird nächstes Jahr zwischen uns vier oder fünf auf jeden Fall ein heißer Kampf.

Q: Was ist das Ziel für Sie in diesem Winter?

Peter: Als Ziel – na ja, wenn ich jetzt bester Deutscher werde (er wurde es), dann fahre ich zur WM und versuche auch dort wieder auf jeden Fall eine gute Platzierung zu bekommen, das ist klar. Ich denke, Top Ten sind drinnen, aber auf jeden Fall das Finale und dann die bestmögliche Leistung zu zeigen, sich auch international zu profilieren und Erfahrungen zu sammeln, ich denke, das ist das große Ziel.

Q: Was nimmt man hier als positivstes mit?

Peter: Auf jeden Fall mit internationalen Spitzenläufern zusammen zu laufen. Das ist auf jeden Fall eine sehr positive Erfahrung und motiviert unglaublich, wie ich finde. Auch das ganze Flair, das Drumherum bei einer Europameisterschaft und dann vielleicht auch Weltmeisterschaft.

Q: Du hast den vierfachen Toeloop das erste Mal im Wettkampf gestanden, da freust du dich wahrscheinlich sehr, aber wie schwer ist es dann, die Konzentration zu behalten?

Peter: Es ging dieses Mal besser. Ich habe es ja im Kurzprogramm gemerkt, da habe ich es nicht gemacht (er stürzte beim 3L nachdem er den 3A gestanden hatte). Ich habe besonders darauf geachtet, dass ich cool werde, zum nächsten Element schalte. Meine Trainerin und mein Choreograph René Lohse haben mir gesagt, von Element zu Element denken, und das habe ich versucht, und das hat super geklappt.

Q: Also hast du dich erst hinterher richtig gefreut?

Peter: Ja!

Q: War das der erste Vierfache im Wettkampf?

Peter: Ja, das erste mal im Wettkampf. Ich habe ihn schon zu unserem Weihnachtsschaulaufen im Verein vor Publikum gestanden, aber das war ein bisschen was anderes.

Q: Ist das denn ein kleiner Meilenstein für einen Läufer?

Peter: Auf jeden Fall.

Q: Und dann noch der dreifache Axel, der nicht ganz einwandfrei war…

Peter: Eigentlich war gesagt, wenn ich den Vierfachen mache, dass dann der Axel bloß doppelt kommt, aber dann habe ich mir gedacht, wenn, dann richtig, und es hat ja funktioniert. Nicht ganz hundertprozentig, aber fast. Das gab Punkte auf jeden Fall.

Q: Kann das sein, dass das jetzt eine Initialzündung ist für erheblich mehr?

Peter: Ja. Das ist sehr motivierend und bringt mich unglaublich weiter, diese Erfahrung.

Q: Sie wirken ganz schön selbstbewusst. Die starke Konkurrenz macht Ihnen gar keine Angst?

Peter: Nein, weil ich ja auch denke ich, im Training gezeigt habe, dass ich sprungtechnisch mithalten kann, selbst mit den Topläufern. Vierfach-dreifach habe ich auch im Training gezeigt. An den Sachen, an denen ich noch arbeiten muss, werde ich jetzt auf jeden Fall mit meiner Trainerin und meinem Choreographen fleißig arbeiten. Ich war ja schon bei anderen internationalen Wettbewerben und habe Läufer als Konkurrenten gehabt, die hier auch dabei sind, Tomas Verner zur Nebelhorn Trophy und auch andere. Es ist natürlich noch ein etwas anderes Flair und Gefühl, bei einer Europameisterschaft gegen die zu laufen, aber ich habe da nicht so eine große Angst gehabt. Ich habe mir gedacht, an die kommst du sowieso noch nicht ran, egal wie du läufst, und du machst dein Ding. Du läufst das beste, was du kannst, und das habe ich heute nicht ganz, aber fast gezeigt.

 
(Die Fragen in der mixed zone stellten Martin Zimmermann (Rundfunk), Roland Zorn (FAZ), Britta Körber (dpa), Tatjana Flade)