Eistanzrevolutionäre: Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron

 

Seit Anfang April sind die französischen Eiskunstläufer in Frankreich unterwegs – mit einer Tournee durch das ganze Land. 21 Städte stehen auf dem Programm, 9500 Kilometer werden die Sportler in diesem Monat zurücklegen. Es gibt nur eine kleine Pause – die Franzosen werden in Japan bei der World Team Trophy auftreten. Ein mehr als anstrengendes Programm – so mancher würde fragen – wozu das gut ist? Die Antwort ist simpel –Eislaufen in Frankreich soll populärer werden.

Jeden Tag laufen die Eiskunstläufer ihre Programme vor Publikum, was im Training nicht möglich wäre. Jeden Tag gewinnen sie neue Erkenntnisse, die für die Wettbewerbe bedeutend sind, denn die Kommunikation mit Zuschauern ist durch nichts zu ersetzen. Eiskunstläufer bekommen Feedback, sprechen direkt mit den Menschen während der zahlreichen Autogrammstunden und gewinnen im ganzen Land neue Fans. Außerdem unterweisen sie jeden Tag kleine Kinder aus lokalen Eislaufvereinen, was für die Promotion des Eislaufens in Frankreich wichtig ist. Man muss nur die vor Freude strahlenden Augen angehenden Eisläufer sehen, wenn sie Hand in Hand mit ihren Idolen – sei es Brian Joubert oder Nathalie Pechalat, Fabian Bourzat oder Vanessa James - über die Eisfläche gleiten. Auch die neuen Weltmeister im Eistanzen, Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron, die bei der WM für eine Eistanzrevolution gesorgt haben, arbeiten viel mit Kindern zusammen – denn nur so kann man diese Sportart für die Zukunft etablieren.

Über diese Tournee, ihren unglaublichen Erfolg und die bevorstehenden Weltmeisterschaften der Mannschaft in Japan habe ich in Dijon mit den neuen Europa- und Weltmeister Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron gesprochen.

 

Q: Wie viele Interviews haben Sie in der letzten Woche gegeben?

 

GC: Oh mein Gott! So viele… vielleicht 20 - 30 oder 40… sehr viele.

 

Q: Und nehmen Sie sich selbst nun als Stars wahr?

 

GC: (lacht) Nein! (lacht wieder) Ganz bestimmt nicht! Ich bin sehr zufrieden mit der Unterstützung, die wir bekommen haben und freue mich sehr über alle Rückmeldungen, über alle Glückwünsche. Das ist großartig! Aber ich bin kein Star, nur Eiskunstläufer.

 

(Gabrielle kommt dazu)

Ich habe gefragt, ob Sie sich nun als Stars empfinden.

 

GP: (lacht) Nein, nein. Wir sind Eiskunstläufer und keine Sänger oder Popstars.

 

Q: Wir haben vor etwa einem Jahr miteinander gesprochen. Auch im Rahmen einer ähnlichen Tournee. Ich fragte Sie, welche Ziele Sie sich für 2015 setzen. Und die Antwort war – ein bisschen besser zu sein, als im vergangenen Jahr. Nun aus diesem „bisschen“ ist viel mehr geworden. Sie sind Weltmeister! Hätten Sie das geahnt?

 

GC: Nein! Am Anfang der Saison dachten wir, dass wir vielleicht bei den

Europameisterschaften in die Top 5 kommen und es bei den Weltmeisterschaften in die Top Ten schaffen. Wir waren schon sehr überrascht, dass wir die Grand Prix gewonnen haben.

 

Q: Ich habe Ihre Kür zum ersten Mal in Orleans beim Masters de Patinage gesehen. Haben Sie damals geahnt, dass dieser Tanz zu Mozarts Musik so erfolgreich sein wird?

 

GP: Wir wussten, dass wir das Masters gewinnen können, weil wir gut gelaufen sind. Aber so einen Erfolg haben wir nicht erwartet.

 

Q: Ist es überhaupt möglich einen besseren Tanz zu laufen?

 

GC: Nein!

(beide lachen)

 

GC: Ja, natürlich! Wir versuchen unsere Technik zu verbessern, wir möchten etwas machen, was anders ausfällt und wir werden auch noch mehr an der Artistik arbeiten.

 

Q: Nächste Woche fliegen Sie zur Team-Weltmeisterschaft WTT. Was erwarten Sie von diesem Wettbewerb?

 

GP: Wir hoffen, dass wir Erste werden und versuchen das Beste zu geben, damit wir mit der Mannschaft so viele Punkte wie möglich sammeln.

 

Q: Gabriella, Sie sind bei der WM die Teamkapitänin…

 

GP: (lacht) Ich wusste gar nichts davon! Bis ich die Ausschreibung für diesen Wettbewerb las. Niemand hat mich darüber informiert, deshalb ist es eine große Überraschung für mich gewesen.

 

Q: Sie haben zum ersten Mal in diesem Jahr bei „Art on Ice“ teilgenommen. Welche Erfahrungen haben Sie gewonnen?

 

GC: Das war eine große Erfahrung für uns und wir haben dort einige berühmte Läufer getroffen, die wir persönlich noch nicht kannten. Wir haben Freunde getroffen und zusammen viel Spaß gehabt, Erfahrungen gesammelt und ich denke, wir werden es wieder gerne tun.

 

Q: Was bedeutet die jetzige französische Tournee für Sie?

 

GP: Das ist eine gute Gelegenheit, mit der Mannschaft zusammen zu sein und Eislaufen in Frankreich zu promoten.

 

Q: Werden Sie in allen Städten dabei sein? Im letzten Jahr haben Sie einige ausgelassen…

 

GP: Ja, wir werden in allen Städten auftreten.

 

Q: Ist es sehr anstrengend für Sie?

 

GC: Ja, es ist sehr schwierig und stressig. Aber andererseits, es macht viel Spaß zusammen mit der Mannschaft zu laufen, außerdem treffen wir viele Menschen, kommunizieren mit dem Publikum, wir sehen auch Läufer aus lokalen Vereinen.

 

Q: Sie arbeiten bei dieser Tournee viel mit Kindern zusammen… Möchten Sie in Zukunft auch als Trainer arbeiten?

 

GP: hm.. ich weiß es nicht, so genau haben wir unsere Zukunft noch nicht geplant. Aber ich finde es wichtig, dass man Kindern etwas beibringt, und für sie ist es eine große Freude mit uns zusammen zu laufen.

 

GC: Ich finde es auch wichtig, dass wir unsere Erfahrungen an Kinder weitergeben.

 

Q: Welche Ziele haben Sie jetzt gesetzt?

 

GP: Uns zu verbessern.

 

GC: Ja genau wie in diesem Jahr. Und wir möchten auch noch das Grand Prix Finale gewinnen. Das war der einzige Wettbewerb, den wir in diesem Jahr nicht gewonnen haben.

 

Q: Vielen Dank für das Interview und ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

 

Text und Photos: Alexandra Ilina