I:
Herzlichen Glückwunsch zu einem tollen zweiten Platz. Du bist
zufrieden?
P: Ich bin
eigentlich zufrieden. Mit den Punkten jetzt an sich nicht, aber mit
der Leistung: ich habe in beiden Programmen die dreifach-dreifach
Kombi gezeigt, aber die wurde zweimal nicht rumgewertet, denke ich.
Ich habe die detaillierten Ergebnisse noch nicht gesehen. Aber
trotzdem habe ich auch in der Kür das erste Mal wieder vier
verschiedene Dreifache gemacht, mit dem Salchow, den habe ich zur
Deutschen noch nicht gezeigt. Den hatte ich nur doppelt gemacht, aber
der war sogar ganz gut. Aber ich bin auf jeden Fall zufrieden, kann
man schon sagen.
I: Du
musstest lange wegen Verletzungsproblem aussetzen. Kannst du bitte
noch einmal zusammenfassen, welche Probleme du genau hattest und wann
du wieder ins Training eingestiegen bist.
P: Angefangen
hat alles im März 2007. Es ist fast zwei Jahre her. Damals nach der
Junioren-WM war eigentlich die Saison schon für mich gelaufen. Ich
habe dann im Training auch ein bisschen am vierfachen Lutz
gearbeitet, wir hatten damals auch Videoaufnahmen, um genau
anzugucken, was man verbessern kann. Und da ist es dann bei einem
Lutz passiert, dass ich in der Luft gemerkt habe, wie es auf einmal
tierisch gezogen hat im Adduktorenbereich, also in der
Oberschenkel-Innenseite, auf der linken Seite. Ich konnte dann auch
nicht laufen und bin dann gleich zum Arzt gegangen. Der hat eine
Zerrung diagnostiziert und eine Woche später hatte ich Urlaub und
war zwei Wochen auf Bali. Also Sonne pur und der Arzt hatte auch
gesagt, das kann mir nur gut tun, und so habe ich die Füße
sozusagen hochgelegt. Als ich aus dem Urlaub wiederkam, war es aber
überhaupt nicht besser. Im Urlaub hatte ich zwar gemerkt, da zwickt
es noch ein bisschen, aber ich habe mich ja dort nicht so viel
bewegt. Dann stellte sich heraus, dass es ein Muskelfaserriss war,
also etwas Schlimmeres. Das verheilte dann aber auch nicht so und ich
habe gar nicht weitertrainiert, nur Physiotherapie, also Behandlung
gehabt. Im Juni war es dann immer noch nicht wirklich besser, ich
konnte auch nicht aufs Eis. Da habe ich dann beschlossen nach München
zu gehen und mich von Marianne Martin, der Physiotherapeutin der DEU,
behandeln zu lassen. Dort war ich vier Wochen, und sie hat
herausgefunden, dass es vom Rücken herkommt. Ich hatte sozusagen so
etwas wie einen leichten Bandscheibenvorfall, es war ein Nerv
eingeklemmt, und der verlief durch die Adduktoren. Der meldete immer
Schmerz, obwohl an sich alles verheilt war. Dann musste ich ein sehr
umfangreiches Stabilisationstraining machen, Bauch und Rücken.
Danach kam alles wieder in Schwung und ich spekulierte an den
Deutschen Meisterschaften im Januar 2008 in Dresden teilzunehmen.
Als ich wieder aufs Eis kam, war Oktober und es lief auch alles ganz
gut, die Dreifachen kamen wieder und dann bekam ich Probleme mit
beiden Knien, unterhalb der Kniescheibe an der Patella-Sehne, es war
einfach eine Überlastung sag ich mal, weil ich dem Sinne keine
richtige athletische Vorbereitung hatte. Es war zu viel für meine
Knie, und dann war die Saison für mich gelaufen. Mitte Februar bin
ich wieder runter vom Eis und habe mich erst mal athletisch
aufgebaut, bin auch kräftiger geworden in dieser Zeit. Als ich keine
Schmerzen mehr hatte, bin ich dann wieder aufs Eis, das war Anfang
April letzten Jahres. Da konnte ich wieder konsequent trainieren und
im Prinzip hatte ich dann nochmal den ganzen September durch einen
blöden Monat. Direkt zu Saisonanfang konnte ich nicht trainieren,
weil ich Probleme mit dem Schuh hatte, der drückte auf die Sehne.
Ich hatte eine Sehnenscheidenentzündung rechts und konnte den ganzen
September über nicht trainieren. Aber im Oktober war es weg, und ich
konnte dann richtig loslegen mit einer relativ guten Vorbereitung.
Die letzten zwei Jahre, vor allem 2007 nach der JWM waren eine
Katastrophe für mich. Danach lief es erst ein bisschen schleppend
an, aber jetzt bin ich wieder voll da. Ich bin fit und habe keine
Probleme mehr seit September. Das ist schon mal wichtig.
I:
trainierst du auch wieder vierfache Sprünge? P:
Ich habe seitdem nicht wieder Vierfache trainiert, aber ich werde
jetzt wieder daran arbeiten. Ich habe auch den ganzen Februar Zeit.
Ich laufe erst wieder in Den Haag Anfang März und werde dann
Vierfache und vor allen Dingen den Axel, das ist ja so ein
Schlüsselelement, trainieren.
I: Wie
hast du die schwierige Zeit überwunden und deine Motivation
behalten?
P: Ich habe
immer daran geglaubt, dass ich es schaffen kann. Ein
Schlüsselerlebnis war in Berlin, als ich aus München wiederkam im
August 2007. Ich bin in Berlin an einen Physiotherapeuten gekommen,
der eigentlich für mich ein Motivator war, der gesagt hat, du kannst
es wieder schaffen. Bei dem bin ich auch immer noch und lass mich
behandeln, meistens einmal in der Woche. Er ist für mich immer noch
ein Super-Mentaltrainer. Er ist eigentlich ein ganz normaler
Physiotherapeut, aber er hat mich immer sozusagen wieder am Laufen
gehalten. Dann hatte ich ja auch den Vorteil, dass ich all die
Konkurrenten vor der Nase hatte: Peter, Martin, Clemens und Stefan,
wie sie trainiert haben. Und da habe ich mir gesagt, du kannst jetzt
nicht einfach so nach der Verletzung abtreten.
I: Es ist
sicher deprimierend, wenn man denkt jetzt geht es aufwärts und dann
kommt der nächste Rückschlag.
P. Ja, aber
ans Aufgeben habe ich nie gedacht, zum Glück!
I: Wann
hast du gewusst, dass du wieder zurückkommen würdest?
P: Als ich
mich auf die Deutsche 08 (im Dezember 2007) vorbereiten wollte und
dann die Knieprobleme auftraten, dachte ich “das kann nicht sein”
und ich war schon ziemlich niedergeschlagen und auch als ich dann in
Dresden war, es war eine ganz komische Erfahrung. Ich bin dahin
gefahren, habe mir die Wettbewerbe angesehen, und es war alles so
fern. Ich hätte mir nie vorstellen können mitzulaufen. Also ich war
natürlich nicht fit, aber ich fühlte mich auch nicht fit vom Kopf
her, denke ich. Das war eine harte Zeit. Aber als ich dann wieder
schmerzfrei war und mein Athletikprogramm starten konnte so Anfang
Januar 08, da habe ich schon gemerkt, es geht ganz schnell aufwärts.
I: Was
hast du in der Zeit gemacht in der du nicht trainiert hast?
P: Ich war
damals in der 13. Klasse und habe dann mein Abitur letztes Jahr im
Sommer fertig gemacht. Ich hatte mehr Zeit, mich auf die Schule
vorzubereiten. So hat es sogar auch was gebracht, also ich habe mich
noch ein bisschen verbessert und mit einem sehr guten Abi-Schnitt,
mit 1,9, die Schule beendet und war sehr froh darüber. Ansonsten
habe ich so viel eigentlich gar nicht gemacht und war trotzdem
beschäftigt, viel Physiotherapie gemacht und manche Sachen, die im
Nachhinein gar nichts gebracht haben. Ich bin, um mich trotzdem ein
bisschen fit zu halten viel Rad gefahren, viel Ergometer und im
Nachhinein würde ich sagen, hat mir das gar nicht so viel gebracht
und nicht gut getan. Ich habe halt versucht irgendwie einen gewissen
Fitnessgrad zu halten. So viel Zeit hatte ich also dann doch nicht
nebenbei. Aber wie gesagt, für die Schule hat es mir schon was
gebracht.
I: Wie
hast du die Deutsche Meisterschaften nach der langen Pause erlebt und
wie schätzt du die Saison für dich ein?
P: Es war
erstmal wieder sehr schön, bei der Deutschen Meisterschaft dabei zu
sein. Ich hatte schon damit gerechnet, wenn alles richtig gut läuft
für mich, klar Axel kann ich nicht, aber wenn Peter Fehler macht,
kann ich auch um den Titel mitlaufen. Es hat sich dann im KP schon
herauskristallisiert, dass, auch wenn Peter den Axel nicht gemacht
hat, er dann doch noch eine Schippe drauflegen kann, was er ja dann
auch in der Kür gezeigt hat. Aber ich war trotzdem erstmal sehr
zufrieden wieder dabei zu sein, mich zeigen zu können. Ich habe auch
sehr viele positive Reaktionen bekommen, dass man froh ist, mich
wieder zu sehen und ich war ja auch gut. Es war einfach eine schöne
Meisterschaft für mich, ärgerlich ein bisschen, dass ich dann nur
den 3., also in Anführungsstrichen nur den 3. Platz geschafft habe.
Weil ich schon eigentlich damit gerechnet hatte, doch als zweiter mit
zur EM fahren zu können.
I: Naja,
nach der langen Auszeit war das Ergebnis aber doch okay?!
P: ja, nach
der langen Auszeit kann man natürlich sagen, ja 3. erstmal okay,
aber man will ja auch trotzdem sich international zeigen. Es hat
leider nicht geklappt, aber mit der bisherigen Saison bin ich
eigentlich schon zufrieden. Und ich sag mal das Highlight für mich
jetzt in der 2. Saisonhälfte wird dann schon Den Haag sein. Ich habe
gehört, es werden wohl sehr viele prominente Läufer dabei sein.
Peter wird ja auch da laufen. Da versuche ich dann natürlich nochmal
alles rauszuholen.
I: Erzähle
unsein bisschen was über deine Programme. Wie hast du die Musik
ausgewählt, was gefällt dir an diesen Programmen. Das Kurzprogramm
ist ja Derrick, hast du diese TV-Serie überhaupt noch bewusst
erlebt?
P: Die
TV-Serie lief zwar glaube ich bis Ende der 90iger. Aber so richtig
gesehen habe ich sie bis heute noch nicht. Im Internet habe ich mit
ein paar Clips angeguckt bei YouTube. Für die Kür stand bei mir
fest, dass ich einen Tango laufen wollte und beim KP war ich mir
nicht sicher. Und dann hat meine Trainerin Romy Österreich diese
Derrick-Musik mitgebracht und meinte: “Hey, guck mal ich habe was
gefunden, das lange keiner mehr gelaufen ist.“ Sie meinte sogar,
vielleicht noch nie jemand. “Es ist eine tolle rhythmische Musik
und da kann man bestimmt was draus machen.” Ich habe es dann
zusammengeschnitten, die Version, die jetzt vorhanden ist. Und die
fand ich auch von Anfang an Klasse. Bei der Kür war es relativ
schnell klar, im Februar letzten Jahrs oder sogar noch früher, dass
ich einen Tango laufen will und ganz viele Musiken hat mir Hendryk
Schamberger, der auch damals meinen Flamenco choreographiert hat,
besorgt. Dann war ich in Tango-Tanzkursen. Mit Constanze Paulinus bin
ich einmal wöchentlich tanzen gegangen und der Tanzlehrer hat mir
auch nochmals Musiken gegeben. Dann hatte ich so im Mai/Juni hunderte
von Titeln und habe mir die schönsten rausgesucht, dann auch
zusammengschnitten und das ist jetzt dabei herausgekommen.
I: Du
machst das alles selber?!
P: Ja, die
Grundstruktur schneide ich selber und den Feinschnitt mache ich
zusammen mit dem Freund meiner älteren Schwester. Er ist Musiker und
in dem Musikstudio kann ich dann schön was überarbeiten.
I: Die
Schule ist abgeschlossen und jetzt bist du in der Bundeswehr. Was
machst du dort?
P: Genau, die
Schule habe ich im Juni letzten Jahres beendet und seit Oktober bin
ich bei der Sportfördergruppe. Im April/Mai diesen Jahres werde ich
wahrscheinlich die Grundausbildung machen. Normalerweise ist es so,
dass man die Grundausbildung erst macht und dann sozusagen in der
Sportfördergruppe bleibt. Bei den Eiskunstläufern gibt es eine
Ausnahme. Seit Oktober war ich drin und im Oktober/November eine
Grundausbildung zu machen wäre natürlich totaler Käse für die
Saisonvorbereitung, die Saison fängt ja da gerade an. Also hole ich
die jetzt nach, wahrscheinlich zusammen mit Peter (Liebers) und mit
Carolina Hermann. Ansonsten ist es natürlich ideal. Wir können
täglich trainieren, wir müssen einmal im Monat nur in die Kaserne.
Das ist in Berlin auch ideal, es ist nicht so weit weg, in Tegel, man
fährt eine halbe bis eine dreiviertel Stunde hin. Das nennt sich
Pflichtdiensttag und ist einmal im Monat. Im Prinzip kommen alle
Sportsoldaten, die von der Bundeswehr unterstützt werden, dorthin,
müssen dahin kommen wenn nicht gerade Wettkämpfe sind. Dann gibt es
Informationen über Lehrgänge oder Fortbildungsmaßnahmen oder wenn
papiermäßig irgendwas nachgeholt werden muss. Es ist an sich nie
was Großes, es ist nur, dass man sich da auch in der Kaserne sehen
lässt, dass man sieht, es gibt eine Sportfördergruppe. Es ist für
mich eine ideale Unterstützung. Man kriegt erstmal nur ein
Grundsold, aber es ist ein Anfang und ich kann dafür das machen, was
ich sehr gerne mache: Eislaufen. Es ist schon eine tolle Sache!
I: Und was
machst du sonst noch außer Eislaufen? Welche Hobbies hast du? Du
liest gerne?!
P: Stimmt,
ich lese gerne. Momentan lese ich allerdings nichts. Ich habe mir ein
Buch mitgenommen, bin aber noch nicht dazu gekommen. Dann bin ich
jetzt gerade umgezogen in Berlin in meine eigene Wohnung zusammen mit
einem ehemaligen Schulfreund. Da hatte ich jetzt auch viel zu tun mit
Streichen, Einrichten und so. Ansonsten treibe ich sehr gerne Sport,
ich bin sehr sportbegeistert, guck mir auch viel Sport an - ich bin
ein sportlicher Typ.
I: Ein
ganz normaler Tagesablauf, wie sieht der bei dir aus? Vom Aufstehen
bis zum Schlafengehen!
P:
Meistens stehe ich ungefähr um 7.oo Uhr auf und lass es dann relativ
gemütlich angehen. Ich frühstücke sehr gerne und ausführlich und
mache mich dann gegen 8.oo Uhr auf zum Training. Ich fange mit einer
sehr ausführlichen Erwärmung an bis so gegen 8.3o Uhr. Dann steht
erstmal Eis auf dem Programm, meistens so von 9.oo-10.oo oder von
9.30 bis 11.00, also eineinhalb bis zwei Stunden immer vormittags.
Montags und Donnerstags habe ich noch Athletik hinterher so von
11.oo-12.oo/12.3o. Dann habe ich ein bisschen Pause, und am Abend
nochmals von 16.oo Erwärmung und 17.oo-18.oo Uhr Eis und z.B.
Montags Ballett hinterher. Jetzt in der Saison nicht, aber in der
Vorbereitung habe ich auch Turnengemacht, ein- bis
zweimal wöchentlich, das war dann meistens mittags. Das hat auch
sehr viel Spaß gemacht, so dass ich gegen 19.oo/19.30 fertig war.
Mittags hatte ich immer Pause zwischen 13.oo und 16.oo Uhr, in der
ich dann nach Hause gegangen bin und was gegessen habe, gelesen habe
oder irgendwelche Sachen, die man halt erledigen musste. Ich habe es
hauptsächlich als Ruhepause ausgenutzt und dann abends nochmals
Training so von 16.oo-19.oo Uhr. Und dann bin ich nach Hause
gekommen und wir haben meistens was zusammen gegessen. Mein Vater und
meine Mutter kochen sehr gut. Und dann habe ich einen entspannten
Abend gemacht. Manchmal hatte ich abends noch Physiotherapie und war
dann erst um 21.00 Uhr zu Hause.
I: In der
neuen Wohnung musst du jetzt selber kochen?
P. Ja, das
ist ja noch nicht so lange. Ich bin erst seit einer Woche umgezogen
I: Kannst
du kochen?
P: (lacht)
ja, ein bisschen. Ich bin dabei es zu lernen. Von den Eltern kriegt
man doch was mit!
I:
Wo siehst du dich in fünf Jahren? P:
Also ich möchte auf jeden Fall bei den Olympischen Spielen dabei
gewesen sein. Wenn es nächstes Jahr nicht klappt, dann in fünf
Jahren in Sochi. Bei einer EM und WM mit in der Spitze laufen und ein
Studium anzufangen. Ich weiß zwar noch nicht in welche Richtung,
aber etwas Naturwissenschaftliches. Das wird man dann sehen. Ich
hoffe, dass ich die nächsten zwei Jahre noch in der Bundeswehr
bleiben kann, weil es schon eine Zeit ist, die man gut zum Trainieren
nutzen kann, und dann möchte ich in ein bis zwei Jahren ein Studium
beginnen.... Ja, internationale Spitze zu werden, ganz klar.
I: Ich
bedanke mich für das nette Gespräch und wünsche viel Glück in Den
Haag!