Q: Vor
fast einem Jahr seid ihr nach Oberstdorf gekommen. Wie fällt eure
bisherige Bilanz aus?
Alex: Yo,
der Sonnenschein hat überwogen (lacht). (Die Bilanz ist) positiv auf
jeden Fall. Ich persönlich bin überrascht, dass man es so lange an
einem Stück in Oberstdorf aushalten kann. (lacht). Nein, ich meine
weil ich in früheren Zeiten dann doch eher negative Erfahrungen
gemacht habe. Wahrscheinlich hängt das mit den Lehrgängen zusammen.
Also meine Bilanz fällt positiv aus
Nelli: Meine
Worte, würde ich sagen! Man kann alles hier machen, eine gute
Eishalle ist hier und gute Eismeister.
Alex. Ja, die
Eismeister sind großartig!
Nelli: Hier
sind die besten Eismeister in Deutschland! Mir gefällt alles hier..
die Berge...die gute Luft!
Q: Wie war
der Kontrast zu Moskau?
Nelli:
Angenehm! Hier ist nicht so viel Stress
Alex: Ich
vergleiche es immer damit, als wenn du auf der Autobahn bei 200 km/h
die Handbremse ziehen würdest, so ungefähr wäre das. Also komplett
anders! Aber es ist schön. Wir haben die Fahrerei mit der Metro
nicht mehr, du setzt dich auf das Fahrrad, und gleich bist du in der
Eishalle. Das anderthalb Stunden Metrofahren fällt weg.
Nelli: Ich
war überrascht. Ich dachte früher, dass ich Stress brauche, die
große Stadt und das Hin- und Herfahren. Aber jetzt verstehe ich,
dass ich das gar nicht brauche. Hier es es so schön ruhig.
Q:
Dann habt ihr euch gut eingelebt? Alex:
Ja gut! Doch! Es läuft! Ich verlaufe mich mittlerweile auch ziemlich
wenig in Oberstdorf (lacht).
Q: Was
vermisst ihr am meisten und was am wenigsten?
Alex: Am
wenigsten die Metro, die laute Metro.
Nelli: Ja,
und den Stau!
Alex: Am
meisten vermisse ich, dass man nichts bekommt, wenn einem nachts um
zwölf oder um drei einfällt, irgendwas einzukaufen oder wenn man
irgend etwas braucht. Das muss man sich vorher überlegen. Oder auch
am Sonntag. Man gewöhnt sich nämlich ziemlich schnell daran, dass
(in Moskau) auch am Sonntag alle Läden geöffnet sind. Umgekehrt ist
es schwerer.
Nelli: Für
mich ist das gar kein Problem: Kaufen, Shoppen usw! Ich vermisse
meine Eltern natürlich und meinen Bruder, die Familie, Moskau nicht.
Q: Im
vergangenen Jahr seid ihr erst spät in die Saisonvorbereitung
eingestiegen. Wie läuft die Vorbereitung diesmal? Wie weit sind die
Programme gediehen?
Alex: Dieses
Mal ist es umgekehrt! Wir sind sehr früh dran.
Nelli:
Wir sind eigentlich schon fertig. Alle Programme sind aufgebaut. Aber vielleicht müssen wir etwas ändern.
Alex: Ja, es
gibt Diskussionen wegen der neuen Regeln. Da müssen wir vielleicht
dann nochmal was machen. Aber grundsätzlich ist eigentlich alles
fertig, und wir müssen es nur noch laufen. Abgenommen ist es im
großen und ganzen, auch die technischen Werte, also alle Elemente
sind soweit in Ordnung.
Q: Mit wem
habt ihr eure Programme aufgebaut und woran habt ihr mit Maxim
Staviskij gearbeitet, als er jetzt in Oberstdorf war?
Alex: Die Kür
haben wir mit Max in Moskau und den OD mit Herr Sinitsyn aufgebaut.
Wir hatten einen Monat Zeit, um die Kür so zu laufen und zu
probieren, was eben klemmt und wo es klemmt. Und Max ist jetzt noch
einmal gekommen, um genau diese Stellen zu verbessern bzw. zu ändern.
Und um uns einfach ein bisschen in den Arsch zu treten.
Q:
Verratet ihr uns die Programme?
Alex: Na ja,
wir müssen ja vielleicht noch etwas ändern. Unser OD ist halt
lustig. Wir wollten ganz klar weg von diesem Standardwalzer. Wir
haben Clown-Musik genommen, um alles ein bisschen fröhlich zu
gestalten und möchten auch mit dem Kostüm in diese Richtung gehen,
falls das die Regeln hergeben. Die Regeln sind in dieser Saison ja
wieder sehr streng. Was die Kür angeht: wie gesagt mal gucken.
Q: Wie
sieht die Saisonplanung aus?
Alex: Als
erstes steht die Nebelhorn-Trophy auf dem Plan. Bis zum 31. Oktober
müssen wir für den Kadernachweis die Auflagen erfüllen und in
diesen Zeitraum fallen nur zwei Wettkämpfe: die NHT und Bratislava.
Das werden wir machen. Und dann ist natürlich das Ziel die EM mit
der Qualifikation, wie die DEU sich das vorstellt und geplant hat.
Q:
Womöglich starten bei der DM nur noch zwei Tanzpaare statt vier, wie
alle ursprünglich dachten. Wie überrascht wart ihr von der
Trennungsabsichten der Hermanns und dem möglichen Rücktritt der
Beiers?
Alex: Der
Rücktritt von Beiers hat mich jetzt nicht wirklich überrascht. Es
gab ja letztes Jahr schon Anzeichen dafür. Ich denke, dass die
letzte Saison für sie optimal lief, das muss man ganz klar sagen.
Sie sind gekommen, sind zu den Olympischen Spielen, haben das alles
gemacht. Deswegen! Was uns ein bisschen überrascht ist, dass es am
Anfang so aussah, dass sie es nochmals durchziehen., da sie Maxim
haben kommen lassen und die Programme aufgebaut haben. Es sah also
anfangs so aus, als läuft alles normal. Aber es scheint dann doch
nicht so gewesen zu sein, er hatte gesundheitliche Probleme und es
ist schade, wenn man deshalb aufhören muss. Aber eigentlich
überraschend war es eigentlich nicht so nach einer so guten Saison.
Sie haben ihren Abschluss mit Olympia gehabt, da ist das
verständlich. Was Hermanns betrifft war das überraschend. Aber es
schaut ja momentan so aus als wäre alles behoben, es kämpfen ja
alle um das Paar. Da denke ich, dass das letzte Wort noch nicht
gesprochen ist.
Q: Ihr
habt diese tolle akrobatische Flugnummer für Schaulaufen
einstudiert. Wie seid ihr darauf gekommen? Wie gefährlich ist das?
Alex: Darauf
gekommen sind wir vor zwei Jahren nach der großen Enttäuschung bei
den Deutschen Meisterschaften. Als die Saison im Prinzip zu Ende war
und wir nach Moskau zurückgekommen und in ein ziemlich großes Loch
gefallen waren. Alle anderen haben ja weiter trainiert, und die
Trainer hatten wenig Zeit sich um uns zu kümmern. Das war ja klar,
denn das Leben ging ja weiter für alle anderen. Sie hatten sich
schön vorbereitet und wir saßen da und haben nichts gemacht. Und
direkt darauf gekommen sind wir dann durch Zufall über Bekannte. Das
ist das Gute an Moskau, weil es dort so viele Menschen gibt und
immer irgendwer irgendjemanden kennt und alles da ist, was man
braucht. Es ist wirklich ein ganz großer Vorteil von Moskau, dass
man eben zig Ballettleute hat, zig Artisten, und du findest immer
jemanden. Dann haben wir einfach um uns selbst aus diesem Loch ein
bisschen rauszuziehen und um uns mit anderen Sachen zu beschäftigen,
angefangen mit Zirkusleuten zu arbeiten. Das war sehr interessant und
dann ging es ziemlich schnell in die Richtung “lass uns das doch
machen fürs Eis”, um etwas Besonderes zu machen, um interessant zu
sein für Schaulaufen, um eingekauft zu werden, um einfach auch ..das
muss man ganz klar sagen... um nebenbei Geld zu verdienen. Die
finanzielle Situation ist ja nun nicht wirklich rosig. Ja, es lief
halt ganz gut. Wir haben uns nicht ganz so blöd angestellt, und die
Spezialisten waren alle an der Hand. Wir haben in Moskau in der
Zirkusschule gearbeitet. Die haben uns dann die Maschine gebaut und
uns vorbereitet. Das ging ratz fatz und nach einem Jahr hatten wir
schon die Premiere letzten Winter.
Nelli: Es war
sogar weniger als ein Jahr! Es war immer mein Traum seit meiner
Kindheit. Ich wollte so etwas immer machen. Als ich das erste Mal von
Alex hörte, dass wir das vielleicht machen, war ich so sehr
überrascht: “Oh Gott, mein Traum wird wahr!!!”
Q:
Wie gefährlich ist es?
Alex:
Es ist definitiv gefährlich, ganz klar. Hier in Oberstdorf ist die
Halle nicht so hoch, da fliegen wir nicht ganz so hoch. Aber bei den
größeren Hallen ist die Decke etwa 20 Meter hoch denke ich und wir
sind bis auf ca. 9 Meter hoch gewesen. Wir achten darauf, dass alles
von der technischen Seite her in Ordnung ist. Es ist ein ziemlich
hoher technischer Aufwand mit den ganzen Verbindungen, den ganzen
Kabeln und allem was dazu gehört. Wir sind von Anfang an darauf
gedrillt worden, dass man eben immer wieder die Tests und Checks
macht, bevor man auf das Eis geht und sich immer wieder jeden
Handgriff anguckt. Wir tun alles, um das Risiko auszuschalten.
Q: Philipp
Tischendorf als Assistent macht seine Sache ja auch sehr gut!
Alex: Ja, die
dritte Person, die immer an der Maschine steht....
Nelli....die
ist die wichtigste Person!
Alex: Ja,
das ist die wichtigste Person, weil er einfach auf uns reagieren
muss. Weil wir da unten in der Hektik, das muss man auch dazu sagen,
manchmal Sachen einfach gar nicht mitbekommen, die er aber von oben
sieht und es gut ist, dass er die sieht. Wenn die Hand eben nicht
richtig drin ist oder wenn man nicht richtig fertig ist oder solche
Sachen. Wir sind mittlerweile ein ganz gut eingespieltes Team und es
funktioniert sehr gut.
Q: Wenn
Philipp mal keine Zeit haben sollte, dann wird es schwierig?
Alex: Tja,
das ist dann definitiv schwierig! Wir gehen zur Zeit davon aus, dass
wir eben diese Nummer nur zu dritt machen können, so wie sie ist.
Falls Philipp nicht kann, dann müssten wir umplanen und jemand
anderen einspannen. Aber sehr ungern natürlich.
Nelli: Das
kann auch nicht jeder machen, das ist schwer!
Alex: Ja, es
ist für die Person, die da hinter dem Ding steht ganz klar eine
Verantwortung und es muss charakterlich passen. Sie darf sich nicht
ablenken lassen und muss sich konzentrieren können. Das ist am
besten jemand, der selbst ein Läufer, ein Künstler ist. Weil der
ungefähr weiß: “aha, hier Musik und so”. Mit jemandem von der
Straße, das würde nichts! Mit Philipp haben wir einen guten Griff
gemacht, er vereint das alles. Er ist schön ruhig, er macht keinen
Stress, er lässt sich nicht ablenken. Er kennt teilweise sogar das
Programm besser als wir, weiß besser als wir, wann wir hoch müssen
und so. Er hat das wirklich sehr gut im Griff.
Q: Alex,
du bist ja bei der Bundeswehr?!
Alex:
Jawohl!!
Q: Nelli,
du hast gerade dein Studium abgeschlossen?!
Nelli:
Ja, Gott sei Dank!
Q:
Möchtest du neben dem Eis etwas machen? Nelli:
Auf jeden Fall möchte ich Sprachen lernen. Neben dem Eislaufen
bleibt nicht so viel Zeit, gucken wir mal.
Alex: Wir
sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem wir uns jetzt langsam für
die Zukunft Gedanken machen müssen.
Nelli: Ja, wir müssen
auf jeden Fall etwas machen
Alex: Diese
Idylle in Oberstdorf ist ein bisschen trügerisch, was das angeht.
Man verfällt ziemlich schnell in einen extremen Trott, weil hier
alles schön ist und alle Bedingungen optimal sind. Hier geht es
einem einfach gut, und das verleitet sehr schnell dazu, alles andere
zu vergessen. Diese ganzen Probleme, die Alltagsprobleme! Der erste
Schritt war natürlich der mit der Nummer, jetzt für die nahe
Zukunft, für die Zukunft die jetzt direkt ansteht. Dass man etwas
hat, womit man sich ein Zubrot verdienen kann. Aber es ist auch klar,
dass man das nur eine gewisse Zeit machen kann.
Q: Was
macht ihr hier in Oberstdorf überhaupt so neben dem Eis? Welche
Hobbies habt ihr?
Alex:
Schlafen!!! (lacht) In Oberstdorf kann man so viele Sachen machen.
Nelli: Zum
Beispiel Bergwandern.
Alex:
Wir waren bisher erst einmal auf dem Berg, und das war ganz schön
anstrengend.
Q:
Auf welchem?
Alex:
Auf dem Rubihorn! Dann haben wir zwei Tage im Bett verbracht (lacht).
Q:
Auf dem Nebelhorn wart ihr sicher auch schon? Alex:
Ja klar, aber hochgefahren! Gelaufen noch nicht! Also neben dem
Eis... der Tag ist eigentlich recht gut verplant dadurch, dass wir
das Training komplett auseinander gezogen haben, weil wir die
Möglichkeit dazu hatten. Wir haben jetzt die Wohnung eingerichtet
und da haben wir immer noch zu tun. Wir haben immer noch keine Lampen
an der Wand!
Q: Dann
wünsche ich euch alles Gute für die kommende Saison und bedanke
mich für das Interview.